

"Teamplayer sind in der Wirtschaft gesucht"
Auch Heiner Brand wirbt für das "Dormagener Modell"
"Handball ist die geilste Mannschaftssportart der Welt. Wer es sich leisten kann, der sollte das "Dormagener Modell" unterstützen", war der frühere Nationaltorwart Andreas Thiel überzeugt von den Plänen zur dualen Karriereplanung. Auch Bundestrainer Heiner Brand machte sich stark für die Idee: "Handballer sind Teamplayer. Und die sind in der Wirtschaft gesucht. Ich wünsche dem Projekt viel Erfolg." Über 200 Gäste hörten den beiden und weiteren Podiumsteilnehmern vor der Partie zwischen dem TSV und Bundesliga-Tabellenführer HSV Hamburg aufmerksam zu. Das Bild zeigt von links: Heinz Lieven, Andreas Thiel, Kentin Mahé, Heiner Brand, Maximilian Holst, Christian Fitzek, Jürgen Steinmetz, Michael Scharf, Dieter Welsink, Christoph Buchbender und Moderator Volker Koch.
Handball ist die Sportart Nr. 1 in Dormagen, die 17 Heimspiele des Noch-TSV Dormagen sind regelmäßig die größten Veranstaltungen im gesamten Rhein-Kreis Neuss. Dabei soll es nach den Vorstellungen der Fans und der unterstützenden Wirtschaft auch unter dem künftigen Namen „DHC Rheinland“ bleiben. Da lässt man sich ein wenig von der Stimmung beim Ex-Hauptsponsoren Bayer anstecken, der soeben wieder Millionen schwere Erfolgszahlen verkündete und „optimistisch in die Zukunft“ blickt. Statt Neid ist Handeln bei den Befürwortern der neuen Strategie angesagt. Die Stichworte des „Dormagener Modells“ heißen „Duale Karriere“ – über die Ausbildung am Standort eines potenziellen Sponsoren soll letztlich der im Vergleich zu den Großen der Liga eh nicht so üppige Etat weiter entlastet werden.
„Mich fasziniert, dass man in Dormagen nicht nur redet sondern auch tatsächlich etwas auf die Beine stellt“, begrüßt Michael Scharf, Leiter des Olympiastützpunktes Rheinland, die Absichten. Er zählte vor dem Spiel gegen den HSV Hamburg zu den Teilnehmern einer namhaft besetzten Diskussionsrunde. Sowohl Bundestrainer Heiner Brand als auch die ehemaligen Dormagener Spieler Christian Fitzek und Andreas Thiel fanden Sympathie für das Projekt. „Handballer sind Teamplayer, die sind in der Wirtschaft gesucht“, findet Brand den Ansatz des DHC sehr sympathisch: „Sie machen Handball-Bundesliga und damit Leistungssport auf höchstem Niveau möglich und tun etwas für die Spieler.“
Den Unterschied zwischen einer Mannschaft wie Hamburg und Dormagen brachte Christoph Buchbender vom Dormagener Sponsor Rheinland Versicherung auf den Punkt: „Die Hamburger haben kein solches Etatproblem wie Dormagen.“ Deshalb war sein Unternehmen Vorreiter in Sachen duale Karriere, hatte Christoph Schindler eine Ausbildung ermöglicht. „Der ist uns jetzt zwar ausgebüchst. Ob sein Wechsel nach Gummersbach richtig war, muss er alleine entscheiden. Wir hätten ihn nach der Ausbildung angestellt, die Vergütung hätte den Verein entlastet.“ Der Weggang sei zwar ein kleiner Rückschlag, es gebe aber keinen Grund, die Absichten zu ändern.
Einige Förderer haben bereits signalisiert, dass sie daran denken, entsprechende Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Die Veranstaltung mit über 200 erschienenen Vertretern vorwiegend aus dem Mittelstand diente freilich auch dazu, weitere Interessenten für die Idee zu erwärmen: „Sportler sind oft gute Typen, die brauchen wir in unseren Unternehmen“, sagte Buchbender, „auch wenn man mit dem eingeschlagenen Weg eher nicht in die Champions League kommt.“ Ohne „normales“ Sponsoring komme der DHC schließlich auch nicht aus. Wenn das Verhältnis bei 60:40 zwischen herkömmlicher Unterstützung und der dualen Karriere liege, hätte man eine ideale Bindung geschafft. Prinzipiell sei ein „Umdenken in den Spielerschädeln“ notwendig, meinte Andreas Thiel. „Immer mehr Knete und immer weniger richtiges Leben“ könne nicht richtig sein. Der frühere Nationaltorwart vermutet, dass sich mit Blick auf die zur Verfügung stehenden Finanzen „mittelfristig in den nächsten drei bis fünf Jahren“ wieder bei den meisten Bundesligisten ein Handeln auf Augenmaß einstellen wird.“ Das Fazit von Heinz Lieven, Geschäftsführer des DHC: „Im November stand Spitzenhandball in Dormagen vor dem Aus. Jetzt haben wir eine großartige Perspektive.“